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Grußwort Prof. Dr. Frank Wappler

Prof. Dr. Frank Wappler
Prof. Dr. Frank Wappler

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich freue mich sehr Sie zum Hauptstadtkongress für Anästhesiologie und Intensivtherapie begrüßen zu dürfen. Eigentlich kommt nach dieser Ansage immer „hier in Berlin“, aber leider ist es noch immer nicht möglich uns persönlich in einem angemessenen Rahmen vor Ort treffen zu können. Die umfangreichen behördlichen Auflagen erlauben uns auch in diesem Jahr nur den kollegialen Austausch auf digitalem Wege.

Die so genannte 4. Welle läuft, die 7-Tage-Inzidenzen sind wieder angestiegen, wir müssen wieder mehr schwer erkrankte Patienten auf den Intensivstationen betreuen und leider ist die bundesdeutsche Impfkampagne weniger erfolgreich als gewünscht. Die Pandemie ist noch nicht beendet - daher war die Entscheidung für einen digitalen Kongress alternativlos.

Aber wir haben mittlerweile mit dem digitalen Kongressformat auf dem vergangenen HAI und in diesem Jahr mit dem Deutschen Anästhesie Congress viel Erfahrung sammeln können, und die Rückmeldung der TeilnehmerInnen war durchweg positiv. Ich bin daher sicher, dass auch dieser Hauptstadtkongress wieder eine sehr erfolgreiche Veranstaltung werden wird.

Ab diesem Jahr stehen dafür der neue Kongresspräsident Herr Professor Bernhard Graf und seine MitarbeiterInnen. Bis zum Jahr 2023 wird das Regensburger Team nun die Geschicke des HAI leiten - dafür meinen herzlichen Dank, alles Gute und auch viel Glück.

Der Kongresspräsident hat diesen HAI unter das Motto:

„175 Jahre Anästhesie – Vom Narkotiseur zum perioperativen Mediziner!“

gestellt. Am 16. Oktober 1846 demonstrierte William Thomas Green Morton erfolgreich die neue Narkosemethode durch Inhalation von Schwefeläther vor Ärzten und Medizinstudenten der Harvard-University in Boston. Ein großer Erfolg in der operativen Medizin und eben kein „humbug“, wie der die Operation durchführende Chirurg John Collins Warren feststellte.

Seither ist ein sehr langer Zeitraum vergangen und das Fach Anästhesiologie hat sich zu dem unverzichtbaren Bestandteil in der medizinischen Versorgung etabliert. Mehr noch: die Anästhesiologie hat sich in beeindruckender Weise entwickelt und trägt mit ihren Subdisziplinen Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerz- und Palliativmedizin entscheidend und auf höchstem Niveau zur Versorgung der uns anvertrauten Patienten bei. Nur ein aktuelles Beispiel für das hohe Leistungsvermögen unseres Fachs sind die außerordentlichen Leistungen, die tagtäglich AnästhesiologInnen bei der intensivmedizinischen Betreuung von COVID-19-Patienten erbringen. Und darauf dürfen wir durchaus auch stolz sein.

Unser Aufgabengebiet beschränkt sich heutzutage jedoch nicht auf rein medizinische Tätigkeiten, vielmehr üben AnästhesiologInnen auch organisatorische Funktionen aus, sind beratend tätig oder auch im Krankenhausmanagement. Das Aufgabenspektrum der Anästhesiologie hat sich demnach in den vergangenen Dekaden erheblich erweitert und deutlich verändert. Der Kongresstitel weist daraufhin – wir sind perioperative Mediziner.

Dieser fortwährende Veränderungsprozess stellt unsere Fachgesellschaft nicht nur vor die interessante Aufgabe sich auf diese Entwicklungen einzustellen, sondern auch diese mitzugestalten. Das Präsidium der DGAI hat die Herausforderungen, die sich aus diesem Wandel ergeben, seit jeher angenommen und auch in diesem Jahr in nunmehr 5 Workshops gemeinsam mit ausgewählten ExpertInnen Schwerpunktthemen der Anästhesiologie definiert und diskutiert. Aus diesen Diskussionen heraus wurden bereits zahlreiche Konzepte neu entwickelt und wegweisende Entscheidungen getroffen. Im Folgenden möchte ich Ihnen einige dieser Punkte nennen.

Die Medizin, und nicht nur unsere Kongresse, wird zunehmend digital. Patienten-Daten-Management-Systeme auf den Intensivstationen, elektronische Narkose- und Schmerzprotokolle, digitale Entscheidungshilfen wie eGENA und vieles mehr haben in unseren klinischen Alltag Einzug gehalten und sind an vielen Stellen nicht mehr wegzudenken. Aber die Entwicklungen sind noch längst nicht abgeschlossen und die technologischen Möglichkeiten wachsen exponentiell – Stichworte sind hier Telemedizin, künstliche Intelligenz und Big-Data. AnästhesiologInnen waren an dieser Stelle schon immer maßgeblich beteiligt und es ist uns wichtig in diesem Themenkomplex eine adäquate Positionierung zu erlangen und die nächsten Entwicklungsschritte zu gestalten. Um nun den vielfältigen Aktivitäten innerhalb unseres Faches Rechnung zu tragen, gründen wir daher einen neuen wissenschaftlichen Arbeitskreis mit dem Namen „Digitale Medizin“. Dieser löst die Kommission „Telemedizin und eHealth“ ab und bietet interessierten KollegInnen die Möglichkeit zur Mitarbeit und einer Vernetzung ihrer Forschungsaktivitäten.

Ein langjährig diskutiertes Thema ist die Einbindung unserer weiblichen KollegInnen in Klinik, Wissenschaft und Forschung. Der Anteil der Medizinstudentinnen in Deutschland liegt gegenwärtig bei 62%, die Tendenz ist steigend. Viele von diesen entscheiden sich für unser Fachgebiet und 54% der Facharztanerkennungen betreffen Frauen. Aber nur 12% üben im weiteren Arbeitsleben Leitungsfunktionen aus. Ohne Frage ist das deutlich zu wenig.

Ähnliches gilt leider für den wissenschaftlichen Bereich, so sind nur 9 % aller Habilitierten im Fach Anästhesiologie weiblich. Obwohl Frauen ca. 40% aller KongressteilnehmerInnen ausmachen, sind diese nur in etwa 15% aktiv mit Vorträgen an unseren Veranstaltungen beteiligt und nur 10% leiten eine Kongresssitzung.

Das Präsidium der DGAI hat daher die Kommission Anästhesiologinnen gegründet, und diese beauftragt einerseits die Ursachen für dieses Missverhältnis zu analysieren und andererseits konkrete Maßnahmen zur Etablierung einer Gender Equity in der DGAI vorzubereiten. Auch wird die Kommission eine DGAI-Gender Policy fu¨r Gremienarbeiten und Kongresse vorstellen. Und wir werden für deren Umsetzung Sorge tragen. Darüber hinaus liegen weitere zielführende Vorschläge vor, die wir in Kürze in eine Beschussfassung bringen werden.

Die Fortbildungslandschaft hat sich in den letzten Jahren und insbesondere auch in den vergangenen 18 Monaten deutlich verändert. Gerade auch die jüngeren Kolleginnen und Kollegen wünschen sich andere Formate und Konzepte, mehr Interaktionen und zeitlich flexiblen Zugang zu den Fortbildungen. Diesen Anforderungen werden wir uns stellen und haben mit dem BDA eine gemeinsame Fortbildungskommission gebildet, die beauftragt ist, neue Konzepte in der anästhesiologischen Fortbildung zu erarbeiten und implementieren. Auf diese Weise wollen wir unsere Angebote moderner, attraktiver und noch besser auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten machen.

Weiterhin ist es unser Ziel zukünftig die Zusammenarbeit mit den KollegInnen aus den anderen Gesundheitsfachberufen, sprich Kranken- und Gesundheitspflege, Rettungsdienstpersonal, ATAs etc. zu intensivieren und diese enger an die DGAI zu binden. Dieses entspricht auch unserer Arbeitsrealität, denn wir arbeiten in allen Bereichen unseres Faches eng zusammen.

Veränderung wird nur hervorgerufen durch aktives Handeln.“ – so formuliert es der Dalai Lama. Und das tun wir. Wir wollen mit Ihnen gemeinsam die DGAI durch aktives Handeln weiterentwickeln und modernisieren. Ich dankbar für Ihre tatkräftige Unterstützung bei diesem Prozess, insbesondere auch durch die Mitarbeit in den Arbeitskreisen, den Foren und auf den Kongressen.

Schließen möchte ich mit einem Dank an den Kongresspräsidenten und allen Verantwortlichen dieses Kongresses für ihre enorme Arbeit und das große Engagement. Danke auch an Sie, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer - ich freue mich mit Ihnen auf einen interessanten und wegweisenden Kongress - hierfür alles Gute.

Ihr

Prof. Dr. Frank Wappler
Präsident der DGAI